Verkehrsunfall

img_0252

Wann liegt ein Unfall im rechtlichen Sinn vor?

Von einem Unfall im rechtlichen Sinn spricht man, wenn ein plötzliches, unvorhersehbares Ereignis, bei dem eine Sache beschädigt und/ oder eine Person verletzt wird vorliegt. Im folgendem wollen wir hier den Verkehrsunfall behandeln.

Statistisch gesehen ereignen sich pro Jahr 2,5 Mio Verkehrsunfälle auf deutschen Strassen (Polizei-Statistik 2015). Die Wahrscheinlichkeit betroffen zu sein ist daher nicht gering. Was aber tun, wenn es zu einem Unfall kommt?

  1. Polizei benachrichtigen

Auch auf die Gefahr hin, aufgrund eines Fahrfehlers verwarnt zu werden, sollten Sie die Polizei an den Unfallort rufen, wenn es sich nicht um einen Bagatellunfall handelt. Als Bagatellschäden sind Schäden bis zu einem Reparaturaufwand von 750 € anzusehen. Da das für Laien schwer einschätzbar ist, sollten Sie sich nicht von der Polizei am Telefon abwimmeln lassen, sondern darauf bestehen, dass diese an den Unfallort kommt. Die Polizei wird die Personalien feststellen und einen Bericht zum Unfallgeschehen anfertigen. Dieser kann bei der späteren Unfallregulierung wichtige Hinweise bieten.

  1. Zeugen

Wenn es Zeugen des Unfalls gibt, sollten Sie sich unbedingt die Zusicherung einer Zeugenaussage einholen. Ausserdem sollten Sie die Personalien und Kontaktdaten der Zeugen notieren. Es ist ratsam, die Zeugen dazu anzuregen einen Erinnerungsbericht zu schreiben, und sich diesen zB. per E-Mail zusenden zu lassen. Sie sollten auch Ihre eigenen Erinnerungen niederschreiben, da die Unfallabwicklung lange dauern kann.

  1. Gutachter

Sie sollten die Gelegenheit nutzen, einen eigenen Gutachter zu beauftragen. Die gegnerische Versicherung bietet oft an, einen Gutachter zu schicken. Dieses Angebot sollten sie nur dann annehmen, wenn Sie das Verschulden weit überwiegend bei sich selbst sehen und die gegnerische Versicherung die Kostenübernahme für das Gutachten zusichert. Achtung: Liegt der Sachschaden unter 1000,00 € ist die Einholung eines Sachverständigengutachtens aufgrund der hohen Kosten nicht mehr angemessen. Unter Umständen bekommt man die Sachverständigenkosten dann nicht mehr erstattet, auch wenn man zu 100 % Recht bekommt. In diesem Fällen ist es ratsam, zunächst einen Kostenanschlag bei einer Werkstatt über die zu erwartenden Reparaturkosten einzuholen.

Muss ich zum Rechtsanwalt?

Der Gang zum Rechtsanwalt lohnt sich. Zum einen kann dieser die Rechtslage besser einschätzen. Zum anderen ist das Regulierungsverfahren mit der Versicherung kompliziert. Sie haben es dort mit Profis zu tun. Es kommt häufig vor, dass die Unerfahrenheit des Geschädigten zu großen finanziellen Einbußen führt. Die Versicherungen lassen sich immer neue Modelle zur Kostenreduzierung einfallen. Meistens wird an den Reparaturkosten gekürzt. Kompliziert wird es, wenn die Versicherung die Plausibilität der Schäden oder die tatsächliche Beteiligung der Parteien anzweifelt.  Den Rechtsanwalt zahlt die gegnerische Versicherung, und zwar Prozentual entsprechend der Regulierungsquote.

Welche Schäden werden gezahlt?

Gemäß § 249 BGB alle Schäden die aus dem Unfallereignis resultieren. Das sind zunächst die Sachschäden und Personenschäden, die kausal auf das Unfallereignis zurückzuführen sind. Der Geschädigte soll so gestellt werden als ob der Schadensfall nicht eingetreten wäre.

Was sind Sachschäden?

Zu den Sachschäden gehören, wie der Name es schon andeutet, alle Schäden die im Zusammenhang mit dem beschädigten Fahrzeug stehen. Dies sind u.a. Reparaturkosten (oder Wiederbeschaffungsgeld für Ersatzfahrzeug), Sachverständigenkosten, Mietwagenkosten oder Nutzungsausfallentschädigung, Rechtsanwaltskosten und Abschleppkosten.

Was sind Personenschäden?

Das ist die Schadensersatzansprüche, die der Beteiligte aufgrund einer Körperverletzung beanspruchen kann. Hierzu gehören u.a. das Schmerzensgeld, der Verdienstausfallschaden, der Haushaltsführungsschaden, die Unfall-Rente. Gerade bei schweren Körperverletzungen und bleibenden Schäden wie einer posttraumatischen Belastungsstörung ist die Bemessung eines angemessenen Schmerzensgeldes oder einer Rente sehr kompliziert. Rechtsanwälte berechnen diese anhand bestimmter Schmerzensgeld-Tabellen und Urteilssammlungen. Große Schmerzensgelder sind i.d.R. ohne einen Prozess kaum zu erzielen. Hier ist eine frühzeitige Beratung besonders wichtig.

Was bringt eine Rechtschutzversicherung?

Oft endet die aussergerichtliche Regulierung mit einer Absage der gegnerischen Versicherung. Die Gründe hierfür sind vielfältig und reichen von einer plötzlichen Kehrtwende in der Unfallschilderung des anderen Unfallbeteiligten, bis hin zum Starrsinn des Sachbearbeiters. Gerichtsverfahren in Verkehrsunfallsachen erfordern besonders häufig die Beauftragung eines Sachverständigen, der das Unfallgeschehen rekonstruieren soll, oder zu anderen Fragen, wie den Personenschäden begutachten soll. Dadurch der Prozess sehr teuer werden. Betrachtet man den zu erwartenden Regulierungsbetrag, ist das Prozessrisiko oftmals größer als die zu erwartende Zahlung der gegnerischen Versicherung. Man kann sagen, dass sich die die überwiegende Anzahl der Verkehrsunfall-Klagen ohne Rechtschutzversicherung nicht lohnen. Die Verkehrs-Rechtsschutz lohnt sich für Ordnungswidrigkeitenverfahren zB. Rotlicht-Verstoß, Geschwindigkeitsüberschreitung usw. und ist mit weniger als 10 € im Monat günstig zu haben und verdient das Prädikat wertvoll.